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für den 24.10.2020

Der HERR erweckte den Geist des Volkes, dass sie kamen und arbeiteten am Hause des HERRN Zebaoth, ihres Gottes.

Haggai 1,14

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Auf Ein Wort - an den Kirchenpavillon

"Lieber Kirchenpavillon, du bist völlig leer. Und das nun schon seit Wochen. Aber nicht aus Erschöpfung, sondern wegen „geschlossen“. Du könntest ja! An dir liegt es nicht!..." Lesen Sie mehr! 

Immer noch sind die Tische leer. (Foto: Baur-Schäfer) Immer noch sind die Tische leer. (Foto: Baur-Schäfer)

Lieber Kirchenpavillon,

du bist völlig leer. Und das nun schon seit Wochen. Aber nicht aus Erschöpfung, sondern wegen „geschlossen“. Du teilst das Schicksal mit ganz vielen anderen Kirchen, Gemeindehäusern, aber auch Restaurants und Cafés. Du könntest ja! An dir liegt es nicht! Aber wir, wir dürfen nicht kommen. Wir sollen uns nicht treffen, weil wir ansteckend sind.

Wir und nicht du.

Dich trifft keine Schuld. Wir sind ansteckend, wie ein Lachen. Oder Gähnen. Nein, es ist nicht lustig. Gerade für ältere Menschen ist es richtig gefährlich. Und wir wollen niemand in Gefahr bringen. Deswegen bist du zu. Wahrscheinlich sogar für länger.

Wie das wohl für dich ist? Hoffst du jeden Morgen, dass gleich jemand kommt, um dich aufzuschließen? Wer macht dich sauber, wer kümmert sich jetzt um dich?

Ah ja, es kommen schon noch Menschen, die Mitarbeiter. Ja, die sind da. Nicht alle auf einmal, meist nur ein oder zwei. Aber so kriegen sie deine Tische auch nicht voll! Kein Gemurmel, kein Lachen, kein Kindergeschrei, keine Gespräche, kein Leben mehr in deinem Café. Alles nur noch per Telefon und digital. Aber das ist nicht das gleiche.

Uns war das gar nicht bewusst, wie wichtig es uns ist, dass wir uns treffen. Wie wichtig solche Räume sind, wie du! Wo wir uns verabreden, hinsetzen und gemeinsame Zeit verbringen können.

Unser Gemeindeleben, ja unsere Gesellschaft ist genau daraufhin angelegt, dass wir uns sehen und sprechen hören. Und zwar näher als Ein-Meter-Fünfzig Abstand. Wir umarmen uns zur Begrüßung, oder geben uns mindestens die Hand. Man könnte Sorge haben, dass die Menschen das jetzt verlernen werden, je länger das alles dauert. „Social distacing“ heißt die Devise. Das nehmen viele sogar so wörtlich, dass sie nicht einmal mehr grüßen. Sie schauen zu Boden, als könnte man sich schon beim Anblick eines Menschen anstecken.

Mich beschleicht seit Wochen so ein Karfreitags-Gefühl. Dieses Gefühl, dass plötzlich etwas zu Ende ist und keiner weiß, wie es weiter gehen soll. Stillstand, Rückzug ins Private, Einsamkeit und Trauer machen sich breit. Ende Aus.

Irgendwie kommt man da von selbst nicht raus.

Man wartet nur noch auf die Erlösung von Außen, dass da jemand kommt und sagt: „Auf, jetzt! Das Leben geht weiter. Der Herr ist auferstanden, da könnt ihr doch jetzt nicht liegen bleiben!“ Darauf warte ich. Darauf hoffe ich. Nicht dass ein anderer die Lösung bringt, sondern dass Gott sich einbringt und sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Off 21,5) Und dann geht das Leben wieder los. Ostern eben.

Friedemann Schmidt-Eggert

 

08.04.2020



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