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Kunst in der Stadt

„Lichte Worte“ im Bonner Kirchenpavillon

Zu zentralen Begriffen des christlichen Glaubens hat der Bonner Künstler Carl Richard Montag Fenster-Installationen für den Kirchenpavillon geschaffen. Dieses für Bonn einzigartige Kunstprojekt ist nun eingeweiht.

Transparenz: Die Kunstwerke im Kirchenpavillon wirken von außen wie von innen (Foto: J. Gerhardt) LupeTransparenz: Die Kunstwerke im Kirchenpavillon wirken von außen wie von innen (Foto: J. Gerhardt)

Der Kirchenpavillon, der nun seit einem guten Jahr den Kaiserplatz vor der Kreuzkirche ziert, hat eine neue und ganz besondere Note bekommen. Der Künstler Carl Richard Montag hat für die Fenster des Kirchenpavillons 12 Licht- und Glaselemente geschaffen und als Geschenk übergeben. „Die Bilder spiegeln in brillanter Weise die Architektur unseres Kirchenpavillons wider“, freut sich Martina Baur-Schäfer, Leiterin des Kirchenpavillons. „Die massive Betonbauweise macht diesen Ort zu einem Schutzraum, durch die großen Fensterflächen verkörpert er aber auch Transparenz für die Welt und den Alltag.“ Die Glaselemente unterstreichen in besonderer Weise beides: das Sich-zurückziehen und das Sich-öffnen zur Welt hin.

Erleichtert und und bewegt, wie eindrucksvoll die Werke im neuen Kirchenpavillon wirken: der Künstler Carl Richard Montag und Martina Baur-Schäfer, Leiter des Kirchenpavillons (Foto: J. Gerhardt) LupeErleichtert und und bewegt, wie eindrucksvoll die Werke im neuen Kirchenpavillon wirken: der Künstler Carl Richard Montag und Martina Baur-Schäfer, Leiter des Kirchenpavillons (Foto: J. Gerhardt)

„Leise Kunst“ für den Kirchenpavillon

Da die Architektur ihre Kraft aus dem Wesentlichen beziehe, müsse die Kunst für diesen Raum zurückhaltend, ja regelrecht leise sein, damit die Leichtigkeit und die ganz besondere Einheit von Raum und Kunst für den Betrachter spürbar werde, sagt Montag. Er hat in diesem in Bonn bislang einzigartigen Kunstprojekt Worte in Kunst umgesetzt, die eng mit dem evangelischen Glauben verbunden sind.

„Wir haben Schulklassen, Gemeindemitglieder und die Besucher unseres Pavillons gefragt, welche Begriffe sie mit der evangelischen Kirche und ihrem Glauben verbinden“, erklärt Baur-Schäfer. Herausgekommen sind die zwölf Begriffe Glaube, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit, Frieden, Verantwortung, Barmherzigkeit, Vergebung, Gnade, Demut, Freiheit und Humor. „Das Wort gestaltet die Struktur und die Struktur schreibt das Wort“, sagt Montag über die Ornamente auf Glasscheiben. Diese sind nämlich nicht nur Kunst, sondern übersetzen gleichzeitig die zwölf Begriffe (welch biblische Zahl!) in Strichcodes, die mit dem Smartphone eingescannt werden können und dann einen der Begriffe offenbaren. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall kann der Betrachter einfach hindurchschauen, sieht die bunten Farben der Bilder oder nimmt nur ein flirrendes Lichtspiel wahr. Für Baur-Schäfer verhält es sich mit den Glaubensfragen im Leben genauso: „Oftmals nimmt man sie so direkt nicht wahr, aber wenn man den Blickwinkel ändert oder ein Hilfsmittel – wie hier das Smartphone – zur Hilfe nimmt, erscheinen sie in einem ganz neuen Licht.“

Montag berichtet, in welch ausgeklügelter Feinarbeit die jeweils 150 Kilo schweren Glaskunstwerke entstanden sind (Foto: J. Gerhardt) LupeMontag berichtet, in welch ausgeklügelter Feinarbeit die jeweils 150 Kilo schweren Glaskunstwerke entstanden sind (Foto: J. Gerhardt)

Kommunikative Glaskunst statt Geldspende

Und dabei war anfangs gar nicht von einem Kunstprojekt die Rede. Pfarrer Rüdiger Petrat aus der Kreuzkirchengemeinde sei zu ihm ins Atelier gekommen, berichtet Montag, um Spenden für den Bau des Kirchenpavillons von seiner Stiftung zu erbitten. Geld habe er nicht gegeben, aber „wenn ich die Menschen, die bei Ihnen den Dialog suchen, mit einem gestalterischen Beitrag anregen und ermutigen kann, bin ich für Sie da!“ Und so entstand in enger Zusammenarbeit mit Martina Baur-Schäfer vom Kirchenpavillon, den Architekten Jochem Kastner und Konstantin Pichler und nicht zuletzt Frederik Richter vom umsetzenden Glasstudio Derix diese Komposition.

Die kommunikative Glaskunst kann montags bis samstags von 10.00-18.00 Uhr im Kirchenpavillon und natürlich jederzeit auch von außen bestaunt werden und das Scannen mit dem Smartphone ist ausdrücklich erwünscht. Frederik Richter hat noch einen Tipp für alle Besucher: „Tagsüber kann man die Ornamente von drinnen besser erkennen, abends sieht man die mit LED-Leuchten angestrahlten Bilder von außen besser.“
Und so schnell werden die Glasbilder auch nicht wieder entfernt werden: „Denn Erstens gefallen sie allen Besuchern ausnehmend gut und zweitens kann man die 150 Kilogramm schweren Glasscheiben nicht so einfach vom Platz bewegen “, schmunzelt Baur-Schäfer.

 

Johanna Nolte / 05.03.2016



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